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9. Dezember 2011 5 09 /12 /Dezember /2011 17:25

Hallo erstmal,

ja ich weiss, ich habe schon ewig keinen Blogeintrag mehr geschrieben. Oft vorgenommen, genauso oft verschoben. Schande über mich.

Heute möchte ich ein paar Gedanken zum Thema Grenzen und Tabus in BDSM schreiben. Das Thema bewegt mich schon sehr lange, da es praktisch auch jedesmal wenn man jemanden aus dem BDSM-Umfeld kennenlernt von neuem aufpoppt. Es ist die Frage nach dem 'was magst Du' oder 'was magst Du nicht' ... 'was magst Du garnicht' und 'was geht mal garnicht'.

Im BDSM erlebt man oft wie jemand sagt 'eine Sklavin hat keine Tabus zu haben, sie muss für ihren Dom, Top, Besitzer uneingeschränkt zur Verfügung stehen'. 

Aber wie geht das zusammen? Kann jemand wirklich tabulos sein. Ist nicht allein dieser Anspruch des Tabulosen, dieses Dogma das einige vertreten, genauso eine Art Tabu? Eine Art 11. Gebot unter den Tabulosanhängern? "Du sollst nicht haben ein Tabu" (zumindest keines das deinen Besitzer einschränkt!). Ist das nicht ein Wiederspruch in sich, da es als Tabu alle anderen Tabus ausschließen soll und sich damit selbst ausserkraft setzt? 

Ich denke es erden sehr oft ein paar Dinge miteinander vermischt. Zum einen der Bereich 'mag ich nicht' mit 'hab ich ein Problem damit' (also eine Grenze) und 'das ist mir zutiefst zuwieder' (also mitunter ein gesellschaftlich vermitteltes Tabu).

Über mögen und nicht mögen im BDSM

Jeder Mensch hat Dinge die er oder sie mag und nicht mag. Obgleich ich Eis (also Eiscreme) mag, mag ich kein Schokoladeneis. Wenn ich nicht 'muss' würde ich es nicht freiwillig essen, aber wenn es aus irgend einem anderen Grund nicht geht, dann würde ich es tun. Allein um nicht unhöflich zu sein wenn sich jemand viel Mühe gemacht hat und mich damit überraschen wollte. Genauso gibt es Dinge im BDSM-Bereich die ich mag oder weniger mag, wenn sie jedoch passieren würden, naja ... ich denke als Devote gehört es manchmal auch dazu ein wenig zu 'leiden'. Es verstärkt ja auch das Gefühl des Ausgeliefertseins oder des Sich-Ergebens.

 

Über Grenzen im BDSM

Eine Grenze im BDSM-Sinne bezeichnet Praktiken (oder Intensität), die nach Absprache im Spiel als inakzeptabel oder riskant betrachtet wird. Man unterscheidet hier zwischen harten Grenzen und weichen GrenzenGrenzen können aus aus vielen Gründen existieren - als Beispiel sein hier ethische, moraliche, körperliche, gesundheitliche Gründe gennant, ebenso wie Scham-, Ekel- und Schmerzgrenzen. Sowohl Tops als auch Bottoms haben individuelle Grenzen.

Harte Grenzen: Harte Grenzen sind Grenzen, die meist als unantastbar angesehen werden und an die auch nicht langsam herangetastet werden soll. Im Gegensatz zu Tabu ist ein Gespräch über harte Grenzen oder ein Spiel an oder in der Nähe einer harten Grenze jedoch meist möglich ("hart an der Grenze spielen").

Weiche Grenzen: Mit weichen Grenzen werden Grenzen bezeichnet, die eventuell überschritten werden können. Sie sind teilweise von Spiel zu Spiel unterschiedlich und sind manchmal von der Tagesform abhängig (zum Beispiel bei Schmerzgrenzen). Sie sind teilweise auf Grenzen der Art „Ich weiß nicht, ob die Praktik gut gehen wird, wir können uns aber langsam rantasten“.

Grenzveränderungen: Im Laufe des BDSM-Lebens verändern sich häufig die Grenzen - oftmals durch Ausprobieren und Experimentieren. In welche Richtung sie sich verändern, ist individuell sehr unterschiedlich: so können manche Grenzen ganz wegfallen, harte Grenzen zu weichen werden - oder umgekehrt: es ergeben sich neue Grenzen und manche weiche Grenzen werden zu harten.

Das Spiel mit Grenzen: Für viele BDSMler ist es ein besonderer Reiz, sich an eine Grenze heranzutasten oder sie teilweise zu überschreiten (bei weichen Grenzen). Das Spiel wird dadurch intensiver, oftmals verschieben sich danach die Grenzen, allerdings steigt auch die Gefahr eines Fehlspieles.

Quelle: SMiki

Ich denke damit ist eigentlich das allermeiste zum Thema Grenzen gesagt. Ich finde gut hier nochmal zwischen harten und weichen Grenzen zu unterscheiden und ich denke mit zunehmender Erfahrung und auch mit zunehmendem Vertrauen zu einer bestimmten Person lassen sich Grenzveränderungen wahrnehmen. So habe ich es oft auch wahrgenommen das was man bei einem bestimmten Menschen akzeptieren würde, bei einem anderen Menschen auf keinen Fall akzeptieren würde. 

 

Über Tabus im BDSM

Wie man bei den Grenzen gesehen hat kann nochmal zwischen harten Grenzen und Tabus unterschieden werden. Aber schauen wir uns erstmal an wie Tabu ganz allgemein definiert ist:

Eine Definition des Tabu-Begriffs gab Sigmund Freud in seinem grundlegenden Werk Totem und Tabu:

„Die Tabuverbote entbehren jeder Begründung, sie sind unbekannter Herkunft; für uns unverständlich, erscheinen sie jenen selbstverständlich, die unter ihrer Herrschaft leben.“

Entsprechend ist ein Tabu etwas zutiefst Verbotenes, steht aber auch für etwas Unausgesprochenes, ja Unaussprechliches, das weit über eine Einschränkung durch vernünftige Verhaltensformen (Sitte oder Gesetz) hinaus gehen kann. Wir haben es vielmehr zu tun mit Scheubarkeitsschranken, die aus vorrationalen, instinktiven und/oder religiösen Haltungen des Abscheus oder auch der Ehrfurcht herrühren: Ursächlich aus einer Haltung heraus, die in einem einzigen, mit Tabu belegten Objekt zwei scheinbar gegensätzliche Aspekte, das extrem Reine und Heilige ebenso wie das Unreine bzw. das zu Meidende, gleichermaßen wahrnimmt. Tabuistisches Verhalten entspricht den kulturell erworbenen Techniken der Überbrückung einer gesamtgesellschaftlich wahrgenommenen Spannung zwischen Begrenzung und Grenzüberschreitung.

Quelle: Wikipedia

Und im BDSM-Bereich ist dazu nachzulesen:

Ein Tabu ist entweder eine Praktik, die ein Beteiligter eines sadomasochistischen Spiels niemals ausüben möchte, oder ein Lebensbereich, der niemals von einem Spiel berührt werden darf. 

Im Rahmen von Absprachen werden Tabus fast immer erwähnt, da sie für die Beteiligten von eminenter Bedeutung für den Erhalt des seelischen Wohlbefindens sind. Im Gegensatz zu Grenzen sind Tabus immer unantastbar, auch im Gespräch mit anderen.

Praktiken können dann ein Tabu sein, wenn einer der Beteiligten Ekel vor einer Praktik empfindet oder die Praktik ethische oder moralische Vorstellungen verletzt.

Spiele mit D/S-Komponenten betreffen manchmal nicht nur die Beteiligten als Person, sondern können auch Auswirkungen in einem oder mehreren Lebensbereichen haben, beispielsweise durch Kleider- oder Verhaltensvorschriften, die von unbeteiligten Personen bemerkt werden könnten. Für die Beteiligten würde dann ein Tabu bestehen, wenn eine sadomasochistische Praktik unter keinen Umständen Auswirkungen in einem bestimmten Lebensbereich haben darf.

Im Rahmen von Rollenspielen werden manchmal Sklavenverträge geschlossen, in denen diese Lebensbereiche oft ausdrücklich als absolut spielfreie Lebensbereiche erwähnt werden.

Quelle: SMiki

 

Halte wir also nochmal fest. Es kann unterschieden werden zwischen 'mag ich nicht', einer weichen Grenze, einer harten Grenze und dann dem Tabu. Ich denk das hilft der Diskussion schon mal weiter, da es nicht ganz schwarz oder weiss ist, sondern da es auch noch grau gibt und sich so manche Diskussion auch entspannen läßt. 

 

Über die Tabu-Typologie - oder ... die Tabulogie (ein kleines Wortspiel)

In meinen Gespräch mit Leuten habe ich bisher drei typen von 'Tabuanhängern' erlebt.

1. Der ich achte und richte mich nach den Grenzen und Tabus einer Sub-Typ

2. Der ich erwarte Tabulosigkeit - jedoch schließe ich manche Dinge für mich aus-Typ

3. Der ich erwarte absolute Tabulosigkeit auch bei Dingen die ich selber nicht tun würde-Typ

Viele Leute machen ja auch anhand der 'Tabulosigkeit' den Unterschied zwischen jemand der 'nur' devot ist (sprich hat Grenzen und/oder Tabus) und einer Sklavin, eines Sklaven (sprich jemand der bereit ist Tabulosigkeit zu akzeptieren). Demzufolge würde jemand der 'nur' devot ist eher zum Typus 1 passen und jemand der sich als Sklave oder Sklavin sieht zum Typus 3 passen.

Bei Typ 2 ist das jetzt nicht mehr so einfach. Im Prinzip wird hier ja gesagt, dass man Tabulosigkeit erwartet, das man aber aufgrund eigener Vorlieben und Grenzen bestimmte Dinge (aller Voraussicht nach) nicht tun oder nicht anwenden würde. Das es aber theoretisch sein könnte. Oder auch nicht. 

 

Und nun?

Ja nun ... ich will nicht behaupten das ich für mich eine Lösung gefunden habe was ich sein möchte. Also ich sehe für mich durchaus Grenzen und das ein oder andere würde ich für mich auch als Tabu bezeichnen. Ich muss aber auch gestehen, dass das 'nicht eingeschränkt sein' durchaus einen Reiz hat, zumindest wenn ich - hoffentlich - sicher sein könnte, das manche Dinge doch nicht passieren, selbst wenn sie passieren könnten.

Vorhin bei den Ausführungen ging es ja auch mal darum, dass BDSM ein Spiel mit den Grenzen sein kann. Ich denke dieses sagt schon vieles. Und ich denke auch das ein verantwortungsvoller Top dies durchaus berücksichtigt. Aber es gibt dann eben auch immer die Leute die mit aller Gewalt etwas 'durchbrechen' wollen. Und sei es nur um jemanden zu zeigen das man die Macht über jemanden hat dies jemandem anzutun.

Manche sehen es als eine Art Spiel an. Aber es ist ein Spiel mit Menschen und mit echten Gefühlen. Manche Spiele können auch zu weit gehen. Oft zeigt es sich dann wohl erst dann wer ein 'guter' und wer ein nicht so guter Top ist und ob jemand in der Lage ist dann die Devote aufzufangen oder ob man als Devote dann alleingelassen wird. Und das ist wiederum eine Frage des Vertrauens - wie stark lasse ich mich auf jemanden ein. Vertraue ich als Devote diesem Menschen, kann ich mich ihm oder ihr anvertrauen. Und wenn jemand mal eine Grenze überschreitet, wenn das 'Spiel' zu weit geht, kann ich dem Menschen danach dann immer noch vertrauen.

Schwierig. Und ich denke darauf wird jeder für sich eine Antwort finden müssen. 

Bis bald

Eure Yvone

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Published by Yvone - in Gedanken
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Kommentare

Zirkel der O 02/26/2012 22:43

Vielen Dank für Deine Ausführungen. Ich denke Tabus und Grenzen sind nie dauerhaft, sondern können sich mit wachsendem Erfahrungshorizont auch sehr stark ändern und verschieben!

Die Doms in unserem Zirkel halten sich aber strikt an die Grenzen Subs, trotzdem werden diese langsam und einfühlsam verschoben!

Yvone 04/09/2012 09:56



Ich denke das ist der Unterschied zwischen Grenzen und Tabus. Grenzen können sich mit der Zeit, mit Erfahrung, mit Vertrauen, teilweise sehr deutlich verschieben. Tabus denke ich nicht. Die
Schwierigkeit ist dabei sicherlich eher zu unterscheiden, was für einen ein Tabu, was für einen eine - momentane - Grenze ist.



Chualinn 01/27/2012 23:12

Hallo Yvone,

was für tiefe Gedanken. Selten so viel Reflektion zu lesen zum Thema BDSM.
Das nicht eingeschränkt sein dich reizt.. ich denke das ist vielleicht der Grund das du ein zweites Leben führst - in dem eigentlich alle Grenzen fallen können, alle Tabus übergangen werden
könnten.
Könnten...
den für mich besteht der Reiz des Tabus darin es nicht zu überschreiten.
Das Verbotene reizt, lockt.
So wie der Apfel im Garten des Paradieses Eva gelockt hat.
Doch wenn der Apfel gepflückt, davon probiert wurde...
dann kenn ich den Geschmack.
So ist es mit den Tabus..
Wird es gebrochen, dann ist der Bruch eine Woge voller Energie
die beide Spieler mitreisst - zuerst.
Doch sie entfaltet diese Energie nur einmal.
Beim zweitenmal hat sie weniger Energie...
und irgendwann ist es altbekannt.

So passiert es vielen im BDSM:
Immer weiter... immer mehr.
Noch diese Praktik und jene Grenzerfahrung..
und morgen nochweiter.

Die Ehrfurcht vor dem Tabu ist es,
die die Lust am Spiel erhält.

Aber das ist nur meine bescheidene Meinung
Chualinn

Yvone 01/31/2012 13:27



Vielen Dank für Deine Worte und für das Kompliment. Gründe für mein zweites Leben gibt es sicherlich einige ... nicht nur ein oder zwei. Aber das was Du geschrieben hast gehört mitunter auch
dazu.


Viele Grüsse


Yvone



Caitlen 12/09/2011 22:32

Hey Sweetie, Du warst schnell mit der Erledigung Deiner Aufgabe.

Noch ein Gedanke einfach so - Tabulosigkeit müsste dann auch in letzter Konsequenz die Akzeptanz von kriminellen Handlungen bis hin zum Auftragsmord oder auch bis hin zur akzeptierten eigenen
Ermordung beinhalten....wenn nicht, gäbe es ja letztendlich doch ein Tabu, oder?!

Yvone 12/10/2011 13:21



Wie ich hoffentlich deutlich in meinem Beitrag geschrieben hatte, halte ich 'Tabulosigkeit' in letzter Konsequenz als ein Widerspruch in sich selbst. Ich denke wenn Menschen von 'Tabulosigkeit'
sprechen, dann bezieht sich das immer auf ein Themenkomplex. Zum Beispiel sexuelle Tabulosigkeit etc. Aber letztendlich hat denke ich jeder irgend etwas das ihm oder ihr zu weit gehen würde.
Absolute Tabulosigkeit halte ich auch für kein erstrebenswertes Ideal. 


Vielleicht kann man von absoluter Hingabe oder absoluter Ergebenheit sprechen. Darüber könnte man vielleicht nachdenken ob dies erstrebenswert ist oder ob es ebenso zu einem Widerspruch führt.
Aber ich denke wie immer im Leben - jedes Ideal bis ins Extreme gedacht oder ausgelebt pervertiert das Positive das in dem Ideal innewohnt und verkehrt es in etwas negatives. 



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